Haltungsformen der Pferde

Bei den Haltungsformen wird zunächst in Einzel- und Gruppenhaltung unterschieden, ob die Pferde innerhalb oder außerhalb von Gebäuden gehalten werden und welcher Art und Größe die Bewegungsflächen sind: Box, Weide oder Auslauf (vgl. BMEL, 2009 und Hänel, 2013). Als Einzelhaltung nennt der ‚Leitfaden zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten‘ nachfolgende: Ständerhaltung, Innenbox, Außenbox, Außenbox mit Kleinauslauf, Mehrraum-Außenbox mit Kleinauslauf. Bei der Gruppenhaltung werden aufgezählt: Einraum-Innenlaufstall, Mehrraum-Innenlaufstall, Einraum-Außenlaufstall, Mehrraum-Außenlaufstall, Einraum-Außenlaufstall mit Auslauf (Offenlaufstall), Mehrraum-Außenlaufstall mit Auslauf (Offenlaufstall) sowie Weidehaltung mit Witterungsschutz (BMEL, 2009).

Bei der Vielzahl an Angeboten sind viele Pferdehalter überfordert und haben zudem auch oft unzureichendes Wissen über die Folgen schlechter Haltung. Artgemäße Haltung ist möglich, wenn der Pferdehalter die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes und das hieraus erfolgende arttypische Verhalten kennt (vgl. FN, 2019).

Welche Haltungsform ist für Pferde am besten?

Freilebende Pferde verbringen den Großteil ihrer Zeit mit Fressen, Ruhen und der Fortbewegung im sozialen Verbund. (Vgl. Zeitler-Feicht, 2015) Die nachfolgende Abbildung zeigt wie hoch die Abweichungen vom natürlichen Zeitbudget in der Haltung sein kann.

Eigene Darstellung nach Duncan 1980, Kiley-Worthington 1989 in Zeitler-Feicht, 2015, S. 35

Abbildung 1: 24-Stunden-Tag bei unterschiedlicher Haltung und Fütterung (Eigene Darstellung nach Duncan 1980, Kiley-Worthington 1989 in Zeitler-Feicht, 2015, S. 35)

Wenn das natürliche Zeitbudget der einzelnen Aktivitäten zu sehr vom angeborenen Bedürfnis abweicht, werden die Bedürfnisse der Tiere nur ungenügend befriedigt, was zu chronischer Frustration, hoher Anspannung und reaktivem[1], chronischen Stress führt. Dies ist die Hauptursache reaktiver Verhaltensstörungen, wie bspw. Koppen und Weben. Einige internationale Studien bestätigen, dass diese in der Einzelhaltung drei bis viermal so oft vor kommen, wie in Gruppenhaltung (vgl. Zeitler-Feicht, 2015). Niederhofer (2009) wies in einer vergleichenden Untersuchung verschiedener Haltungsverfahren nach, dass die Haltung in einer Einzelbox ohne Auslauf die natürlichen Verhaltensweisen der Pferde dermaßen einschränkt, dass sich daraus eine erhöhte Stressbelastung für die Tiere ergab. Einige der Pferde zeigten schon nach wenigen Wochen Verhaltensauffälligkeiten. (Vgl. Niederhofer, 2009) Deshalb ist es wichtig, dass solch extreme Abweichungen vom natürlichen Zeitbudget in der Haltung nicht vorkommen. Umso erschreckender ist in diesem Zusammenhang, dass „die Einzelhaltung in der Box [ist] nach wie vor die häufigste und beliebteste Aufstallungsform für Pferde“ ist. (Zeitler-Feicht, 2016, S. 55)

Andere wiederum leiden stumm. Dass Pferde in Einzelhaltung depressive Symptome zeigen können, welche der menschlichen Depression äußerst ähnlich sein sollen, sind Ergebnisse einer französischen Studie. Von 59 untersuchten Schulpferden zeigten 24 % ein auffälliges Verhaltens- und Stellungsprofil, wie z.B. „verringerte Reaktionsfähigkeit gegenüber Umweltreizen, eine introvertierte Körperhaltung und eine verminderte emotionale Belastbarkeit (Zeitler-Feicht, 2015, S. 55)“. Um diese Diagnose zu bestätigen sind jedoch noch weitere Untersuchungen notwendig.

„Voraussetzung für ein ausgeglichenes Verhalten ist, dass die Pferde ihr natürliches Zeitbudget für die verschiedenen Aktivitäten auch unter Haltungsbedingungen einhalten können. Dies gilt insbesondere für die Langzeitaktivitäten Fressen, Ruhen und Fortbewegung sowie soziale Kontakte (Zeitler-Feicht, 2015, S.36).“

 

[1] Reaktiv: als Reaktion auftretend

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